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"Aufbau und Struktur der Monchsrepublik Athos"

  • Fachrichtung:Religionswissenschaft
  • Studienfach:Monchsrepublik Athos
  • Thema:
    Aufbau und Struktur der Monchsrepublik Athos
  • Art der Arbeit:Hausarbeit
  • Seitenzahl:10
  • Einzigartigkeit:99.3%
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Einzigartigkeit
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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

  1. Aufbau und Struktur der Mönchsrepublik Athos
  2. Rechtsstatus vom Berg Athos

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Klostergemeinschaft von Athos als eine Autonomie erließ am 10. 5. 1924 ihr eigenes Statut, in welchem der Rechtsstatus der Gemeinschaft, ihre institutionellen Organe, die Rechtssubjekte und rechtlichen Verhältnisse auf Athos geregelt sind. Dieser Statut, auch „chartre“ genannt (griechisch: Katastatikos Chartis Aghiou Orous), wurde durch Gesetzesdekret vom 10./16. 9. 1926 vom griechischen Staat genehmigt, im Gesetzblatt veröffentlicht und erhielt dadurch den Status eines griechischen Gesetzes. Er wurde in den Text des genannten „Gesetzesdekrets“) aufgenommen. Darüber hinaus wurde das Athos-Regime in die Verfassung der griechischen Republik von 1927 eingruppiert und erhielt somit den Rang von regionalem Verfassungsrecht, das von dem des übrigen Staatsgebietes abweicht. Der besondere Status der Halbinsel Athos wurde in dieser Form auch von den späteren Verfassungen des Königreichs Griechenland von 1952 und der Republik Griechenland von 1975 übernommen (Papadopoulos, 2002).

Die Halbinsel Athos stellt somit eine „Verfassungsenklave“ innerhalb Griechenlands dar. Andererseits ist Griechenland Teil der europäischen Gemeinschaft, die für eine Gleichberechtigung der Geschlechter in ihrer Verfassung verankert eintritt.

Wie korreliert sich gerade die Bestimmung über die Gleichberechtigung der Geschlechter, die allgemein in der EU Geltung findet, mit dem Verbot auf weibliche Besucher, das auf dem Berg gilt?

Auf diese Frage versuche ich im Folgenden zu antworten, indem ich über den Aufbau und die Struktur der Mönchsrepublik Athos, über ihre Geschichte reflektiere und den Rechtsstatus vom Berg Athos erörtere.

 

1 Aufbau und Struktur der Mönchsrepublik Athos

Der Berg Athos bedeutet auf Griechisch „Heiliger Berg“ und gilt als ein autonomer Staat unter griechischer Herrschaft und Sitz von 20 christlich-orthodoxen Klöstern (17 Klöster sind ethnisch griechisch, eins ist serbisch, eins ist bulgarisch und eins ist russisch) (Thomopoulos, 2012). Die Klöster fallen unter die Gerichtsbarkeit des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, hier sind Mönche aus der ganzen Welt, in erster Linie aber aus Balkanändern und Osteuropa.

Die Klostergemeinschaft wurde 963 gegründet. Im Mittelalter konnten der Berg Athos und viele andere ähnliche Klostergemeinschaften als Wiege der Innovation betrachtet werden. Es wurden von Mönchen viele Erfindungen im Bereich der Landwirtschaft und des Bauens gemacht. Vieles nahmen die Klostergemeinschaften auch gerne aus der Welt an. In Klöstern auf dem Berg Athos wurden immer die neuesten Technologien der Zeit benutzt (Paganopoulos, 2006).

Das frühe bis späte 20. Jahrhundert wird häufig als eine Periode des Niedergangs für viele Klöster auf Athos beschrieben (Speake, 2002); die Zahl der Mönche sank von 7.432 im Jahr 1902 auf nur noch 1.145 im Jahr 1971. Während dieser Zeit wurde Athos hauptsächlich von den alten Mönchen bevölkert; das Durchschnittsalter lag weit über 60 oder in einigen Klöstern sogar über 70 Jahre. Dies bedeutete, dass Menschen, die auf dem Berg waren, die Welt verlassen haben, bevor die moderne technologische Entwicklung das Leben der Bürger auf der ganzen Welt berührte. Auf der anderen Seite erforderte ihr klösterliches Leben bis vor kurzem nicht viel mehr als die grundlegenden Instrumente des Überlebens. Diese Situation des Niedergangs war nicht nur mit internen Problemen auf Athos verbunden, sondern war auch auf externe politische und soziale Faktoren zurückzuführen. Mönche hatten nur begrenzte externe Quellen und konnten nur von sich selbst abhängig sein – es war eine Überlebenspriorität, welche die Mönchsgemeinschaft dazu veranlasste, eine Laissez-faire-Lebensweise zu führen (Speake, 2002), die es Mönchen erlaubte, Gewinne aus ihrer Arbeit zu erhalten.

Heute entsteht der Eindruck, dass auf Athos Regeln aus einer anderen Zeit herrschen. Das ist in erster Linie mit dem Verbot auf weibliche Besucher verbunden. In der griechischen Presse wird berichtet, dass im Weltkirchenrat beschlossen wurde, solche Verbote wie auf dem Berg Athos auf der ganzen Welt zu brechen. Danach entstand eine große Debatte in griechischen Massenmedien und auch auf dem Berg Athos unter den Mönchen.

Nach der Meinung von Aristos Kasmiroglou, Gouverneur der Autonomie der Mönche, ist der Kirchenrat eine renommierte Institution, aber er kann über die autonome Mönchsrepublik keine Entscheidungen treffen. Die Selbstverwaltung auf dem Berg Athos besteht seit Jahrhunderten und ist in den Beitrittsverträgen Griechenlands mit Europäischer Gemeinschaft aus dem Jahr 1981, im Schengen-Abkommen und in der Verfassung Griechenlands verankert. Aufgrund dessen sind Änderungen in dem Regelwerk nicht möglich.

Die Fläche der Mönchsrepublik beträgt 335 km2. Geografisch nimmt Athos die östlichste Erdzunge der Halbinsel Chalkidiki ein. Auf dem Berg leben momentan rund 3000 Mönche. Diese bergische Gegend erreicht die Höhe von bis zu 2.033 m es erfordert etliche Mühe, um in einige Klöster zu gelangen.

Die Verwaltung der Mönchsrepublik üben die Äbte der 20 Kloster aus. In Athen wird die Regierung durch einen Verwalter und die Polizei vertreten. Der Berg wurde – wie bekannt – Maria, der Mutter Jesu, gewidmet. Wie von Mönchen erklärt wird, sind – gerade um Maria zu ehren – Frauen und weiblichen Tieren Besuche von Athos untersagt. Wenn an Ausflugsschiffen Frauen an Bord sind, muss ein Abstand von 500 Metern zur Küste des Berges eingehalten werden. Männer benötigen eine spezielle Erlaubnis (Aufenthaltserlaubnis), die in der Vertretung der Mönchsrepublik in Thessaloniki ausgeben wird. Den Berg Athos besuchen pro Tag nicht mehr als 100 Personen.

Das Verbot auf weibliche Besucher gilt seit 1045 und wird seither ständig kritisiert. Proteste konnten aber bislang zu keinen Konsequenzen führen. Auch im Europäischen Parlament fordert wird in der Resolution 2003 gefordert, dieses Verbot aufzuheben, weil nach der Meinung der ParlamentarierInnen darin ein Verstoß gegen das allgemein in der EU geltende Prinzip der Gleichberechtigung von Geschlechtern und eine Verletzung des Gebots der Nicht-Diskriminierung und Gleichbehandlung besteht.

2 Rechtsstatus vom Berg Athos

Die Halbinsel Athos stellt eine Verfassungsenklave innerhalb Griechenlands dar. Ihre Verfassungsmäßigkeit wird auch in der Verfassung von Griechenland festgelegt (Art. 105 der griechischen Verfassung von 1975/1986/2001), die das Athos-Statut in einem besonderen Kapitel mit der Überschrift „Statut des Heiligen Berges“ regelt.

Somit bildet Art. 105 die Verfassungsgrundlage für das heutige Athos-Statut. Die geographischen und administrativen Grenzen des Heiligen Berges werden, was sonst nicht vorkommt, in der Verfassung festgehalten, anders als etwa jene der übrigen Regierungsbezirke. Das Athos-Gebiet stellt ebenso keinen „Bezirk“ oder eine „Verwaltungseinheit“ dar, in dem das System der Verwaltungsdezentralisierung verankert ist. Das Athos-Gebiet ist verfassungsrechtlich auch nicht mit den Gebietskörperschaften zu vergleichen, die nach der Verfassung über eine administrative Selbständigkeit verfügen. Das fest umgrenzte Gebiet bildet ferner keinen Wahlbezirk im Sinne des Art. 54 Abs. 1 Verf. und wird demgemäß im Parlament nicht vertreten. Vielmehr kommt im Verfassungstext der Terminus „Statut“ oder „Status“ (griechisch: kathestos) häufiger vor, in dem es heißt, dass der Heilige Berg in Übereinstimmung mit seinem Statut von seinen zwanzig Heiligen Klöstern verwaltet wird, oder, wie Art. 105 Abs. 1 S. 1 Verf. zu entnehmen ist, dass der Berg nach seinem ursprünglichen Privilegienstatus verwaltet wird. Damit ist ein in Hinblick auf die Verfassung vorexistierender Status gemeint, der unangetastet bleibt. Es geht nicht nur um die externe, sondern auch um die interne Souveränität, deren Inhalt in Art. 105 Abs. 4 Verf. folgendermaßen bestimmt wird: „Die genaue Einhaltung der Statuten des Heiligen Berges ist im Hinblick auf den administrativen Teil unter die Aufsicht des Staates gestellt, wozu u. a. auch die ausschließliche Wahrung des ordre public und der Sicherheit gehört.“ Der letzte Absatz (Abs. 5) des Art. 105 regelt die „rechtliche Gewalt, die die Klosterbehörden und die Heilige Gemeinschaft ausüben“, die „durch ein (formelles) Gesetz festgelegt wird“, sowie „die Zoll- und Steuervorteile des Heiligen Berges“ (Papadopoulos, 2002).

Grundlage des internationalisierten Rechtsschutzes für den Autonomiestatus des Athos-Gebietes sind die bereits erwähnten Bestimmungen in Art. 62 Abs. 8 des Berliner Kongresses. Gegenstand dieses Rechtschutzes sind die zwanzig Klöster, aus denen die Heilige Gemeinschaft besteht. Im Vertragstext heißt es „dass die Klöster ihre (bisherigen) Besitzungen und Vorteile bewahren und sich ihrer Rechte und Prärogative erfreuen”. Daraus ergibt sich der Grundsatz der Gleichbehandlung der zwanzig Klöster seitens des Staates. Die Formulierung „jouiront (…) de droits et prerogatives“ ist allerdings unklar, was ihre Reichweite betrifft. Die Klöster treten als Rechtssubjekte und Träger bestimmter Privilegien auf, darunter desjenigen der Selbstverwaltung. Andererseits ist unter dem Begriff „Prärogative“ zu verstehen, dass sie besondere Privilegien in Abweichung von der geltenden Gesetzgebung genießen – unter dem Vorbehalt, dass dabei alle Klöster gleich behandelt werden. Diese Regelung ist jedoch in solchen Maßen abstrakt, dass sie Einschränkungen unterliegen kann. Konkret heißt dies, dass die interne Satzung jedes Klosters nicht in Widerspruch mit den Vorschriften der Satzung des Heiligen Berges stehen darf (Art. 9 S. H. B.) und jeder Beschluss der Heiligen Gemeinschaft „zu respektieren und obligatorisch für die Heiligen Klöster ist“ (Art. 10 S. H. B.). Indem sich die Rechte der Klöster aus einem völkerrechtlichen Abkommen ergeben, hat der griechische Staat nur eine Aufsichtsbefugnis über die Einhaltung der Statuten des Heiligen Berges durch die Klöster (Art. 3 des G. D. v. 1926). In der griechisches Recht darstellenden S. H. B. wird festgelegt, dass „der Vertreter des griechischen Staates auf dem Heiligen Berg durch seine Organe die Ausführung der Beschlüsse der Klöster und der Heiligen Gemeinschaft anordnet und durchführt, solange diese gemäß der vorliegenden Satzung erlassen werden“ (Art. 8 S. H. B.) (Papadopoulos, 2002).

Nach ihrer Rechtsnatur dürften die Beziehungen des Athos-Gemeinwesens zum griechischen Staat als die eines Unterstaates zu einem Oberstaat anzusehen sein. Das Athos-Gemeinwesen nimmt die Stellung eines „Territorialstaats“ ein, obwohl es keinen Staat im Sinne des Völkerrechts bildet, sondern einen besonderen internationalen Autonomiestatus hat. Die Souveränität der griechischen Republik scheint hier „gespalten“ zu sein. Sie verfügt als Souverän über das Territorium und erlässt durch einen Gesetzgebungsakt die Charta/Satzung des Athos-Gemeinwesens, die als Verfassungsgesetz (Charte constitutionnelle) in diesem Hoheitsgebiet gilt. Die Republik Griechenland hat im Athos-Gebiet eine besondere selbständige Verwaltungsbehörde errichtet, die „Verwaltung des Heiligen Berges“. Sie bleibt eine griechische Verwaltung innerhalb der griechischen Republik, die vom Gouverneur des Athos-Gebiets vertreten wird. Er allein übt die „Verwaltung” auf dem Athos-Gebiet aus und ist allein zuständig für die Ausführung der Akte des Athos-Gemeinwesens – unter Mitwirkung eines Aufsehers (Mitglied der Heiligen Aufsicht). Gerichtsurteile werden von seinen Organen vollstreckt, bis auf solche, die rein spirituellen Charakter haben (Art. 8 S. H. B.). Bei den Verhandlungen der außerordentlichen Versammlung als Obersten Gerichtshof hat der Gouverneur eine Kontrollfunktion bezüglich der Legitimität, ähnlich der griechischen Verwaltungsgerichtsbarkeit (Art. 9 Ziff. 3 Abs. 3 G. D. v. 1926).

Es ist auch zu bemerken, dass das Athos-Gemeinwesen vollständig in die griechische Verwaltung eingebettet ist, es selbst ein autonomes Gemeinwesen innerhalb des griechischen Hoheitsgebietes und der griechischen Verfassungsordnung darstellt – mit der Stellung eines Vasallen, dessen interne Verfassung vom griechischen Oberstaat genehmigt wird.

Die Anerkennung eines besonderen Rechtsstatus für das Gebiet von Athos auf Verfassungsebene ist die Grundlage für eine vom allgemein Üblichen abweichende Verteilung der Gewalten auf die im Athos-Gebiet bestehenden institutionellen Gewaltträger. Auf der Verfassungsgrundlage von Art. 105 weicht die Organisation der Gewalten im Athos-Gebiet nicht nur von allgemein hierfür grundlegenden Prinzipien ab, sondern auch von derjenigen Organisation, die für das übrige griechische Gebiet gilt.

Als Beispiel kann die Zusammensetzung der institutionellen Organe des Heiligen Berges dienen, die im Widerspruch zu dem allgemein anerkannten Grundsatz der Gewaltenteilung im Staat (Art. 26 Verf.) steht (Art. 7 Abs. 1, Art. 34, Art. 40, Art 41 und Art. 43 S. H. B.). Entsprechendes wie für das Staatsorganisationsrecht gilt für die verfassungsmäßigen Grundrechte, zu nennen ist hier das bekannte Verbot der Zulassung von Frauen („Avaton“) in das Gebiet von Athos (Art. 186 S. H. B.), welches in eklatantem Widerspruch mit dem Gleichheitsgrundsatz von Mann und Frau steht (Art. 4 Abs. 2 Verf.). Der vorrangige Charakter der Vorschriften der Satzung des Heiligen Berges gegenüber jeder entgegenstehenden Vorschrift wird von der Satzung ausdrücklich betont (Art. 187 S. H. B.) (Papadopoulos, 2002).

Vorgeschichte von Avaton

Aber trotz des Verbots versuchen Frauen, auf den Berg Athos zu durchdringen. So wurden 2012 zwei Frauen einer Künstlergemeinschaft in Brüssel durch die Tatsache gekränkt, dass der Berg Athos für Frauen unerreichbar ist und dass Avaton „um der Gleichheit willen“ abgeschafft werden sollte. Über die Gründe und den Zweck des Avatons hatten die Frauen keine Ahnung. Sie wussten auch nicht, dass im Mönchsstaat Athos das Avaton gilt, d.h. das Verbot für gegensätzliche Geschlechter, Klöster aus der Zeit Justinians zu betreten, die 539 in das römische Recht eingeführt wurde: „Ein Weib darf überhaupt kein männliches Kloster betreten, wie auch ein Mann ein Frauenkloster.“ (Kontogiannidis, 2014).

Respekt vor Avaton

Dieses Verbot wurde sogar von den türkischen Agas respektiert, die bei ihren Besuchen ihre Harems in Karyes verließen. Natürlich hatte das nichts mit der Abwertung von Frauen zu tun, sondern eher mit dem Schutz und der Achtung der Mönche in Bezug auf Versuchungen.

Der Verfassungsschutz von Avaton wurde in einer gemeinsamen Erklärung des Außenministeriums der Europäischen Union unterstützt, wobei die einzigen Einwände von den Außenministern von Schweden und Finnland sowie von einigen weiblichen Mitgliedern des Europäischen Parlaments erhoben wurden. Also selbst das Europäische Parlament hat die Avaton mit 277 Ja-Stimmen, 255 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen angenommen (Kontogiannidis, 2014).

Verletzungen von Avaton

Der Legende nach fand die erste Verletzung von Avaton im Jahre 1346 von der Ehefrau des Herrschers von Serbien, Stephen Dusan, statt, ohne jedoch in das serbische Kloster von Hilandari einzutreten. Auch die Frau des englischen Botschafters in Konstantinopel, Stratford Canning, besuchte 1850 ausnahmsweise den Berg Athos und wurde von den Mönchen begrüßt. Aber nachdem Patriarch Anthimos in einem Brief vom 18.12.1854 die Gründe für die Vergünstigung verstanden hatte, erklärte er, dass dies nicht wiederholt werden sollte.

Dokumentiert ist auch die Verletzung der gewählten Miss Europa von 1930, Aliki Diplarakou, die auf einer Yacht zu Gast war und mithilfe eines Mönches in dem Hafen von Athonite landete. Zwei weitere Fälle waren mit einer französischen Journalistin und einer Frau aus Thessaloniki (Kontogiannidis, 2014).

Die lebhafte französische Journalistin Maryse Choisy behauptete, dass sie 1929 als Mann in den Berg Athos eintrat, einen Monat verblieb und dann nach Hause zurückkehrte und all ihre Erfahrungen in dem Buch „Un mois avec les hommes“ („Ein Monat mit Männern“) schrieb. Sie schrieb über einen „schrulligen“ Mönch, der nur über Liebe, Versuchungen und ein schlechtes Gewissen sprach. Ein Reporter der Zeitung „Makedonia“ ging später in den Mönchsstaat und bekam von den Mönchen folgende Antwort: „Es ist eine erfundene Fantasie. Wahrscheinlich hat sie den Berg Athos nur von einem Boot aus gesehen. Wie konnte es für ein junges hübsches Mädchen möglich sein, das zu Abenteuern neigt, um unter fünftausend, stämmigen Mönchen mindestens einen Tag zu bleiben und keinem von ihnen … in Versuchung zu bringen? Würde sie einen Monat lang unversehrt bleiben?“ (Kontogiannidis, 2014).

Das Wagnis von Maria Poimenidou und ihre Motivation

Der zweite Fall bezieht sich auf eine kühne Frau aus Thessaloniki im Jahr 1953. Folgendes wurde in einem Zeitungsbericht von Embros geschrieben:

„Trotz offizieller Verleugnungen durch den Minister von Nordgriechenland, Herrn Stratos, geben wir heute bekannt, dass Avaton des Berges Athos verletzt wurde. Dies geschah nicht unter den Frauen der erwähnten Byzantinischen Studienkonferenz, sondern von einer 22 Jahren [sic!] alten Jugendlichen Maria Poimenidou, die als einer der Teilnehmer als ein Mann verkleidet in die Konferenz eintrat. Sie blieb für drei Tage, vom Freitag 17.04.1953 bis zum Sonntag, den 19. April und besuchte die meisten Klöster. Wie sie sagte, für viele Jahre plante sie, „auf dem Berg Athos zu treten“ mit einem flammenden Verlangen, persönlich zu sehen, welche Art von Leben die Mönche führen.“ Maria Poimenidou wurde zwei Monate später, am 12. Juli desselben Jahres, zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt (Kontogiannidis, 2014).

Oberflächlich gesehen könnte man zu der Schlussfolgerung kommen, dass das Verbot des Eintritts von Frauen in das Gebiet von Athos dem Grundsatz der Gleichheit und/oder einer Einschränkung der persönlichen Freiheit widerspricht. Der Grundsatz der Freiheit als auch der freie Personenverkehr sind nicht nur in der Verfassung Griechenlands verankert, sondern auch in vielen internationalen Verträgen, die von Griechenland ratifiziert wurden und einen integralen Bestandteil des griechischen Rechts darstellen (Konidaris, 2003).

Der Gleichheitsgrundsatz, der in Artikel 4 der Verfassung Griechenlands verankert ist, verpflichtet den Gesetzgeber, alle griechischen Bürger unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen gleich oder ähnlich zu behandeln und verbietet jede günstige oder nachteilige Behandlung derselben aus der allgemeinen Regel. Der Grundsatz der Gleichheit schließt jedoch nicht die unterschiedliche gesetzliche Regelung ungleicher oder unterschiedlicher Fälle oder Fälle aus, die unter anderen oder besonderen Bedingungen auftreten. Im Gegenteil, in solchen Fällen ist eine unterschiedliche Behandlung unerlässlich, weil verschiedene besondere Gründe – soziale, wirtschaftliche, religiöse usw. – eine völlig andere Behandlung rechtfertigen, sofern eine solche unterschiedliche Behandlung objektiv ist und auf allgemeinen und unpersönlichen Kriterien beruht (Konidaris, 2003).

Dies ist der Fall mit dem Avaton. Allen Frauen ist der Eintritt auf den Berg Athos ausnahmslos verboten. Es gäbe nur dann einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, wenn bestimmte Kategorien von Frauen oder nur Frauen, die bestimmte Kriterien erfüllen, zugelassen würden.

Die persönliche Freiheit, die nach Art. 5 Abs. 3 der Verfassung Griechenlands unantastbar ist, ist nicht unbegrenzt – wie es auch bei jedem anderen Individualrecht der Fall ist. Die Verfassung erwähnt ausdrücklich, dass die Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden kann, wenn und wie es gesetzlich vorgeschrieben ist.

Natürlich können solche Einschränkungen der persönlichen Freiheit und insbesondere der Freizügigkeit von Personen nicht willkürlich sein. Sie sollten durch ausreichende Gründe gerechtfertigt sein, die der Allgemeinheit oder dem sozialen Interesse dienen, und es obliegt den Gerichten, zu prüfen, ob solche Bedingungen übereinstimmen.

So hat niemand daran gedacht, die Verfassungsmäßigkeit anderer Beschränkungen der Freizügigkeit in Frage zu stellen, wie etwa das Verbot der Einreise in militärische Gebiete oder das Verbot der Jagd oder des Fischfangs in mehreren Gebieten oder zu bestimmten Jahreszeiten usw. für denselben rechtlicher Grund. Es gibt somit keine Verletzung der Verfassung im Falle von Avaton (Konidaris, 2003).

Fazit

Das Europäische Parlament erörterte 2003 das Zutrittsverbot für Frauen auf dem Heiligen Berg Athos, und die Europäische Kommission bekräftigte damals die Treue zu den Beitrittsverträgen mit Griechenland. Die Sonderregelung für die orthodoxe Mönchsrepublik –die auch im Übereinkommen über den Beitritt Griechenlands zum Schengen-Abkommen anerkannt wurde – sei zu respektieren, wie Justiz- und Innenkommissär Antonio Vitorino laut Kathpress betonte. Für die Abschaffung des seit dem 10. Jahrhundert geltenden „Avaton“ hatte eine knappe Mehrheit von 274 Abgeordneten votiert, weil es gegen das Gleichbehandlungsprinzip verstoße. 269 EuropaparlamentarierInnen stimmten gegen die Aufhebung, 14 enthielten sich. Somit bleibt das Verbot der Zulassung von Frauen in Athos erhalten, auch wenn es nach der Meinung von der SPÖ-Europaabgeordneten Maria Berger „gegen das allgemein anerkannte Prinzip der Gleichheit auf Grund des Geschlechts, der Nichtdiskriminierung, und gegen die Rechtsvorschriften der Gemeinschaft über die Gleichstellung, sowie gegen die Bestimmungen der Freizügigkeit innerhalb der EU“ verstößt.

 

 

Literaturverzeichnis

Festnahmen: Frauen stürmen Mönchsrepublik Athos. auf: Spiegel online. 9. Januar 2008.

Konidaris, Ioannis M. The Mount Athos Avaton. From: The Mount Athos Avaton, εκδ. Εκδόσεις Α. Σάκκουλας, Athens 2003, in: //www.myriobiblos.gr/texts/english/konidaris_avaton.htm

Kontogiannidis, Tasos K. Women Who Violated the Avaton of Mount Athos, in: //www.johnsanidopoulos.com/2014/08/women-who-violated-avaton-of-mount-athos.html

Paganopoulos, M. (2006). Athonian Economy. ASA Diamond Jubilee Conference 2006 – Cosmopolitanism and Anthropology, University of Keele, UK.

Papadopoulos, C. Der Rechtsstatus des Heiligen Bergs Athos. Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, 119, Kanonistische Abteilung 88 (2002), S. 376–390

Patriarchat ist zu respektieren. In: //derstandard.at/1184230/Patriarchat-ist-zu-respektieren

Speake G. (2002). Mount Athos. Renewal in Paradise. New Haven and London, Yale University Press.

Thomopoulos, E. (2012) The History of Greece. ABC-CLIO, 215 S.

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