"Philipp III. und die Vertreibung der Morisken aus Spanien"

  • Fachrichtung:Geschichte
  • Studienfach:Religion
  • Thema:
    Philipp III. und die Vertreibung der Morisken aus Spanien
  • Art der Arbeit:Essay
  • Seitenzahl:3,5
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  1. Philipp III. und die Vertreibung der Morisken aus Spanien

 

Hintergrund. Die Vertreibung der Mauren aus der spanischen Monarchie wurde von König Filipp dem III. initiiert und in mehreren Etappen zwischen 1609 und 1613 vorgenommen. Die ersten vertriebenen Morisken kamen aus Valencia (das Edikt wurde am 22. September 1609 veröffentlicht). Kurze Zeit später wurden die Morisken aus Andalusien (am 10. Januar 1610), Extremadura und Kastilien (am 10. Juli 1610), aus Kastilien und Aragon (am 29 Mai 1610) vertrieben. Die letzten Vertriebenen waren die Morisken aus Murcia, zuerst aus Granada (am 8. Oktober 1610), und später aus dem Ricote-Tal (Oktober 1613). Nach der Veröffentlichung der Edikte, welche die Ausweisung der Morisken aus Spanien bestimmten, fand am 25. März 1611 in Madrid eine Danksagungsprozession statt. „Die Umstehenden waren weißgekleidet, sehr galant“, wie ein Chronist schreibt1.

Rund 300.000 Menschen wurden vertrieben, die meisten von ihnen stammten aus Valencia und Aragon, Diese Regionen waren am stärksten betroffen – sie verloren jeweils ein Drittel und ein Sechstel ihrer Bevölkerung.

Die maurische Bevölkerung bestand aus etwa 325.000 Menschen in einem Land von etwa 8,5 Millionen Einwohnern. Sie konzentrierten sich in den Gebieten von Aragonien (20% der Bevölkerung) und Valencia (33% der Gesamtbevölkerung), in Kastilien waren sie weiter verstreut und machten in einigen Fällen etwa fünfzig Prozent der Bevölkerung aus.

Ursachen. Antonio Domínguez Ortiz und Bernard Vincent nennen das Problem der Vertreibung der Mauren “kompliziert wegen der Vielfalt der Faktoren und weil trotz der reichhaltigen Erstdokumentation die Gründe, die letztlich die Krone zur drastischeren Lösung neigten nicht klar sind und vielleicht nie klar werden“.2

 

 

 

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1 Domínguez Ortiz, Antonio, Vincent, Bernard (1993) [1979]. Historia de los moriscos. Vida y tragedia de una minoría. Madrid: Alianza Editorial. S. 198.

2.Domínguez Ortiz, Antonio; Vincent, Bernard (1993) [1979]. Historia de los moriscos. Vida y tragedia de una minoría. Madrid: Alianza Editorial. S. 159.

 

 

 

Verdächtigungen und Spannungen zwischen Morisken, die als neue Christen bezeichnet wurden, und den anderen Christen, die als alte Christen3 bezeichnet wurden, waren in einigen Teilen Spaniens weit verbreitet, in anderen waren sie kaum feststellbar. Während einige Morisken Einfluss und Macht und sogar Positionen im Klerus innehatten, mussten sich andere, besonders in Valencia und Aragon, als billige Arbeitskräfte für den lokalen Adel verdingen. Wo sektiererische Konflikte bestanden, verdächtigten Gemeinschaften der alten Christen die Morisken, dass sie tatsächlich keine Christen seien. Die Mauren, die Muslime blieben, wurden als Mudéjar bekannt4. Viele dieser Morisken waren dagegen in ihrem neuen christlichen Glauben gottesfürchtig, und in Granada wurden viele Morisken sogar christliche Märtyrer, da sie von Muslimen getötet wurden, weil sie sich weigerten, auf das Christentum zu verzichten5. So war der Konflikt zwischen den alten und neuen Christen eher ethnisch inspiriert6.

Mehrere Aufstände brachen aus, der bemerkenswerteste war der Aufstand (1568-1573) gegen ein Edikt von Philipp II., das die Arabische Sprache und arabische Namen verbot und von den Morisken verlangte, ihre Kinder zur Erziehung Priestern zu überlassen. Nach der Bezwingung des Aufstandes befahl Philipp, die Morisken von Granada in andere Gebieten umzusiedeln. Mit diesem Vorgehen wollte er die Gemeinschaft der Morisken auflösen und sie in die christliche Bevölkerung assimilieren. Das passierte auch mit den Morisken in Granada, aber nicht in Valencia oder Aragon, wo der Islam noch weit verbreitet war und die ethnischen Spannungen viel höher als im übrigen Spanien waren7.

 

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3Aronson-Friedman, Amy I.; Kaplan, Gregory B. (2 March 2012). Marginal Voices: Studies in Converso Literature of Medieval and Golden Age Spain. Brill Publishers.  S. 51.

 

4 Coles, Kimberly Anne (27 January 2015). The Cultural Politics of Blood, 1500-1900.Palgrave Macmillan. S. 6.

5 Carr, Matthew (2009). The Purging of Muslim Spain. The New Press. S. 213

6Bethencourt, Francisco (19 January 2014). Racisms: From the Crusades to the Twentieth Century. Princeton University Press. S. 145

7Lynch, John (1969). Spain under the Habsburgs. (vol. 2). Oxford, England: Alden Mowbray Ltd. S. 44.

 

 

 

(Anmerkung des Lektors: bei Fußnote 3 – 7 handelt es sich um indirekte Zitate, also sollte ‚Vgl.‘ vorangestellt werden.   Vgl. Lynch, John….

Bei Fußnote 3 -6 fehlt der Veröffentlichungsort des Buches.

Bei Fußnote 9 und 10 fehlt die Seitenzahl.)

6.1 Der Aufstand in den Alpujarras als Prämisse zur Vertreibung

 

Nach der Veröffentlichung der Pragmatica im Jahre 1567 entschloss sich eine Gruppe von Morisken zu einem Aufstand. Sie wählten einen Anführer – Hernando de Córdoba y Valór, ein Nachkomme der Kalifen von Cordoba. Ende 1568 wurde er im Dorf Béznar zum König ernannt und nahm den maurischen Namen Abén Humeya an. Zahlreiche Dörfer von Morisken in den Alpujarras schlugen sich sofort in das Lager der Aufständischen. Humeyas Großwesir und rechte Hand – Faray Aben Faray – hatte den Auftrag, Morisken von Granada zum Aufstand zu bewegen aber er hatte keinen Erfolg.

Ab Januar 1569 intervenierten katholische Soldaten. Beide Seiten verkauften ihre Gefangenen als Sklaven. Die katholischen Streitkräfte bestanden zu einem großen Teil aus Freiwilligen, die sich bereichern wollten. Die Aufständischen peitschten die katholischen Priester häufig zu Tode und verkauften gefangene Christen nach Afrika. Die spanische Seite verkaufte ebenfalls gefangene Aufständische in die Sklaverei. Das führte unweigerlich zu Empörung im maurischen Teil der Bevölkerung und zu theologischen und juristischen Diskussionen: schließlich waren die Morisken getauft, und Christen durften nicht andere Christen als Sklaven halten. Aber die Bestimmungen von Pragmatica bedeuteten auch, dass die Morisken nur dann als wahre Christen betrachtet werden konnten, wenn sie christliche Bräuche einhielten und auf ihre traditionelle Kleidung verzichteten. Das war ein wichtiger Schritt zur Homogenisierung des christlichen Spaniens8. Die Zahl der Aufständischen wurde schnell größer; schätzungsweise von 4.000 (1569) auf 25.000 (1570), einschließlich vieler Berber und Türken, die aus Afrika gekommen waren, um am Krieg teilzunehmen9.

 

 

 

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8Christiane Birr: Rebellische Väter, versklavte Kinder: Der Aufstand der Morisken von Granada (1568–1570) in der juristisch-theologischen Diskussion der Schule von Salamanca. In: Angela De Benedictis, Karl Härter (Hrsg.): Revolten und politische Verbrechen zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2013,  S. 281–317

 

9Julio Caro Baroja: Los Moriscos de Reino de Granada. 5. Auflage. Ed. ISTMO, Madrid ,2000

 

(Anmerkung des Lektors: Vgl. und Seitenzahl fehlt bei Fußnoten)

Aber auch die katholische Seite wurde aktiver; wegen der Schwierigkeiten in anderen Teilen des Reiches – die Osmanen hatten die Balearen im Jahre 1558 erobert, offene Aufstände gegen die spanische Krone in den Niederlanden brachen im Jahre 1568 aus – wollte Philipp II. die Situation möglichst schnell klären; dementsprechend erklärte er 1569 “una guerra a fuego y a sangre”. Das bedeutete, dass die beteiligten Soldaten sich alles, was ihnen in die Hände fiel, nehmen durften – Besitztümer, Vieh, Sklaven.

Mittlerweile war Aben Humeya ermordet worden. Sein Mörder – Aben Aboo – nahm seinen Platz als König der Aufständischen ein. Im Jahre 1571 war die Situation für die Aufständischen verzweifelt; Aboo begann Verhandlungen und war bereit, die Waffen niederzulegen, wenn die Aufständischen geschont würden. Die katholische Seite war bereit, dies zu akzeptieren; doch, so sagt die Legende, Aboo bekam Nachrichte von der  Ankunft mächtiger Verstärkungstruppen aus Afrika und beschloss deshalb, weiter zu kämpfen. Die erwartete Verstärkung kam allerdings nie an. Der Aufstand wurde schließlich 1571 niedergeschlagen; Aboo wurde von einem seiner eigenen Anhänger ermordet. 10

 

 

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10Henry Charles Lea: The Moriscos of Spain. 1901, Neuauflage: Goodword Books, New Delhi 2001.

 

(Anmerkung des Lektors: Seitenangabe fehlt bei Fußnote 10)

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