"Theorie der Lebensbewältigung nach Böhnisch"

  • Fachrichtung:Soziologie
  • Studienfach:
  • Thema:
    Theorie der Lebensbewältigung nach Böhnisch
  • Art der Arbeit:Hausarbeit
  • Seitenzahl:7
  • Einzigartigkeit:100%
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1. Einleitung

Unsere Welt ist in ständigem Wandel und besonders in der heutigen, von Konflikten geprägten Gesellschaft steigt der Bedarf nach übergeordneten Parametern für ein friedliches Zusammenleben. Die Grundlage hierfür sind Dialog und gegenseitiges Verständnis. Diese Ausarbeitung soll dazu einen dem Umfang entsprechenden Beitrag leisten.

Als Schwerpunkt der Arbeit wurde das Konzept der Lebensbewältigung nach Böhnisch ausgewählt. Es hat einen universalen Charakter und verliert im Grunde nie an Aktualität. Es spricht jeden Leser direkt an und hat somit einen hohen Identifikationscharakter.

Der Fokus liegt – wie der Name bereits impliziert – auf der Bewältigung von Alltagsproblemen. Dieser Problematik ist praktisch jeder auf eine bestimmte Weise ausgesetzt. Daraus ergibt sich auch der potenzielle Nutzen der vorliegenden Arbeit. Der Leser kann die systematische Bearbeitung in Kapitel zwei und die kritische Würdigung in den Folgekapiteln auf seine eigene Lebensbewältigung übertragen. Es werden auch Faktoren aufgeführt, die zu einem ganzheitlichen Verständnis von Problembewältigung im Alltag führen. Der Leser kann daraus Handlungsmöglichkeiten für sich ableiten und eventuell auch seinen eigenen Standpunkt überdenken und optimieren.

Die Kristallisationspunkte von Füssenhäuser werden in den jeweiligen Unterkapiteln in den Kontext von Böhnischs Theorie eingeordnet. Im Anschluss folgt eine kritische Bewertung der Ausarbeitungen.

Die vorliegende Arbeit ist geschlechtsneutral geschrieben, weil sie geschlechterübergreifend ist. Auch wenn die Handlungswege mit Sicherheit geschlechterspezifische Merkmale aufweisen, so sind sie doch alle in einem neutralen und übergeordneten Kontext zu sehen.

2. Darstellung der Theorie anhand der Kriterien von Füssenhäuser

Die Theoriebildung innerhalb der Sozialen Arbeit ist ein essenziell wichtiges Thema. Sie liefert Erkenntnisse, aus denen die Sinnhaftigkeit bestimmter sozialpolitischer Maßnahmen bewertet und angepasst werden kann. In einer sich ständig wandelnden Welt können Methoden und Erkenntnisse schnell überholt und somit ineffektiv sein.

Natürlich spielt der sogenannte „Theoriepluralismus“[1] in einer Ausarbeitung auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften eine gewisse Rolle. Demnach kann dem Konzept keine Allgemeingültigkeit zugeschrieben werden wie beispielsweise den Naturgesetzen. Bestimmte Parameter müssen als gegebene Grundlagen akzeptiert werden, um in die Thematik einzutauchen. Kurz gesagt, man könnte eine Theorie auch nach anderen Maßstäben analysieren und bewerten.

Füssenhäuser gibt mit ihren Kriterien einen möglichen Rahmen zur Kategorisierung einer Theorie vor. Sie kann zur Bewertung und Einordnung genutzt werden, hilft somit zu einem besseren Verständnis. Das folgende Kapitel wird die Theorie der Lebensbewältigung nach Böhnisch anhand der acht Kristallisationspunkte[2] beschreiben.

2.1 Gegenstand

Die Theorie der Lebensbewältigung nach Böhnisch beinhaltet ein Streben nach Handlungsfähigkeit in subjektiven Stresssituationen des Einzelnen als Teil einer Gesellschaft. Dieser emotionale Charakter knüpft an das aus der Stressforschung abgeleitete Coping-Konzept von Brüderl an.[3] Demnach führen kritische Lebensereignisse zu einem starken Wunsch der Wiederherstellung eines inneren Gleichgewichts zwischen dem Betroffenen und seiner Umwelt. Böhnischs sozialpädagogisches Bewältigungskonzept orientiert sich an diesem Ansatz und bezeichnet ihn als Streben nach Handlungsfähigkeit.

2.2 Wissenschaftscharakter

Für die Debatte über wissenschaftlich messbare Ziele der Sozialen Arbeit im Allgemeinen und der Lebensbewältigung im Detail muss – anders als in den Naturwissenschaften – ein messbarer Rahmen festgelegt werden. Die von Böhnisch definierte Problematik des Ungleichgewichts zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft ist als gegeben zu akzeptieren.

Im Anschluss kann man Messwerte bestimmen, welche die Wissenschaftlichkeit von Böhnischs Theorie untermauern. Als Beispiel soll hier aus dem Bildungssektor das Sitzenbleiben zur Verbesserung der Leistung aufgeführt werden. Das Individuum, welches aus bestimmten Gründen den Ansprüchen der Bildungsinstitution nicht gerecht geworden ist, bekommt eine zweite Chance der Bewältigung. Nun kann man Statistiken erheben und ermitteln, ob es wirklich hilfreich ist, die Schulklasse zu wiederholen und der gewünschte Effekt der Notenverbesserung eintritt. Ist das der Fall, so kann man die Maßnahme als erfolgreich einstufen. Sie führt zu besseren Abschlüssen und stellt somit eine reale Chance auf eine erfolgreiche Lebensbewältigung dar.

2.3 Theorie-Praxis-Verhältnis

Böhnischs Theorie der Lebensbewältigung beinhaltet das alltägliche Erledigen von Aufgaben, die eine Sicherung der eigenen Rolle in der Gesellschaft bezwecken. Im Vordergrund stehen hier die Bewältigungsformen des Alltags und die Gestaltung der individuellen Lebenslage.

Jeder Mensch benötigt soziale und biographische Arbeit, um seine eigene Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Die praktische Umsetzung dieser Arbeit bzw. Bewältigungsformen sind individuell unterschiedlich und werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Selbst wenn der theoretische Rahmen einheitlich vorgegeben ist, so können die Resultate stark variieren.[4]

Ein konkretes Beispiel soll am Fall des Konflikts zweier Nachbarn gegeben werden: Partei A wurde von Partei B öffentlich beschimpft, nachdem A ihn zugeparkt hatte und B dadurch einen Termin verpasste. Laut Böhnisch steht A im Handlungszwang – die Methode ist jedoch von Ignorieren über eine Anzeige wegen Beleidigung bis hin zur Reaktion auf dieselbe Weise hin offen und individuell gestaltbar.

Unter Berücksichtigung von Füssenhäusers Theorie-Praxis-Verhältnis kann man einen theoretischen Rahmen erkennen, der durch die individuellen Voraussetzungen ausgestaltet wird. Die Resultate können nicht im Einzelnen vorhergesehen, jedoch z.B. durch empirische Befragungen kategorisiert werden.

2.4 Gesellschaftliche und soziale Rahmenbedingungen der Theorie

Laut Böhnisch stellt der sogenannte „Sozialisationsmodus“ einen Zustand dar, in welchem gesellschaftliche Offenheit und Verfügbarkeit gleichermaßen verlangt und strukturell vorausgesetzt werden.[5] Dadurch entsteht das potenzielle Risiko, dass der Einzelne seine Interessen und somit sich selbst vernachlässigt. Die Herausforderung besteht darin, seine derzeitige Rolle zu erkennen, richtig einzuordnen und entsprechende zielführende Handlungen einzuleiten. Dazu ist im Regelfall eine pädagogische Anleitung nötig. Ein weiterer Entwicklungsfaktor ist die Bildung des Individuums. Ein höherer Bildungsstand führt in der Theorie zu besserer Selbsterkenntnis und einer daraus resultierenden Selbsthilfe. Die potenzielle Herausforderung liegt diesbezüglich darin, dass der Einzelne sich selbst verwirklicht, und damit gegen die Interessen der Gemeinschaft verstößt und seine dortige Rolle riskiert.[6]

Als praktisches Beispiel dient ein junger Mann, der nach der Schule eine Karriere als Sportler plant, während seine Eltern ihn an der Universität anmelden möchten. Er hat sich jahrelang körperlich und geistig auf diesen Weg vorbereitet, die richtigen Kontakte geknüpft und steht kurz vor dem Abschluss seines ersten Vertrags als Profisportler. Nimmt er diesen an, so wird er seine Position innerhalb der Familie – zumindest zu Beginn – negativ verändern. Die Entscheidung ist in jedem Fall einzeln zu bewerten, und kann unter anderem auf die Ausprägung eines Kulturstandards von Hofstede (Individualismus, Kollektivismus) zurückgeführt werden. Bewertet der junge Mann seine individuellen Ziele höher als den Stellenwert in der sozialen Struktur Familie, so wird er den Vertrag unterschreiben. Ist er eher kollektivistisch geprägt, so wird er seine Ziele dem Wunsch der Eltern unterordnen.

2.5 Lebenslagen und Lebensweisen der Adressat/-innen

Aufgrund der Tatsache, dass jeder in eine kritische Lebenslage geraten kann, spricht Böhnisch praktisch jeden in einer Gesellschaft lebenden Menschen an. Die Normalität des Alltags wird dabei von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Ebenso die individuellen Erfahrungen, Handlungs- und Interpretationsmuster. Der rote Faden der Bedürftigkeit des Betroffenen ist jedoch faktorenübergreifend und für jeden Fall spezifisch zu bewerten.

Ein Vergleich sind beispielsweise zwei Scheidungsfälle – ein Individuum lebt in einer konservativen und das andere in einer offenen Gesellschaft. Beide erleben eine kritische Situation und werden vom Lebensbewältigungskonzept angesprochen. Die Lösungsansätze werden jedoch höchstwahrscheinlich völlig unterschiedlich ausfallen. Die Theorie ist auf alle Gesellschaftsformen anwendbar.

2.6 Organisationen und Institutionen

Der Staat mit seinen Institutionen steht nach der Theorie der Lebensbewältigung in der Pflicht, dem Einzelnen bestimmte Ressourcen zugänglich zu machen.[7] Dazu gehören sozialpädagogische und Bildungsangebote. Diese zwei Angebote stehen in folgender Beziehung zueinander: Sozialpädagogische Prozesse sollen den Willen zur Bildung anregen und stärken. Ziel ist die sogenannte personale Integrität. Demzufolge sollen Menschen gefördert werden, um sich im Anschluss selbstständig weiterentwickeln zu können.[8]

Die Einrichtung Schule ist eines der greifbarsten Beispiele für ein Institut der Lebensbewältigung. Sie soll im Idealfall dem Einzelnen soweit Bildung vermitteln, dass dieser sich darauf basierend weiterbilden und eine berufliche Karriere anstreben kann. Jeder bekommt in der Grund- und Hauptschule Mathematik, Rechtschreibung und weitere Bildungsgrundlagen mit auf seinen Weg. Entscheidet man sich danach für ein Studium – eine staatliche Hochschule ist ebenfalls eine entsprechende Institution – so kann man aufgrund seines Grundwissens die eigene Spezialisierung vorantreiben und souverän ins Berufsleben einsteigen. Das ist ein idealer Ansatz, der von gleichen Bedingungen ausgeht, welche im Alltag praktisch nicht gegeben sind. Essenzielle Faktoren wie z.B. Herkunft und Wohlstand werden immer einen subjektiven Einflussfaktor auf institutionelle Bildung und die daraus resultierende Alltagsbewältigung haben.

2.7 Professionelle Handlungsmuster

Böhnisch sieht die aus der Theorie der Lebensbewältigung notwendige Sozialpolitik als Bewältigungspolitik. Die Gesellschaft steht in ständigem Wandel und führt demnach zum Stress beim Individuum. Um diesem Stress entgegenzuwirken bzw. ihn zu beheben, sucht jeder nach entsprechenden Maßnahmen, welche ihren Rahmen in der Handlungsfähigkeit der betreffenden Person haben. Hier spielen die sozialpolitischen Institutionen die Rolle, den Bewältigungsdruck zu mindern und das Individuum handlungsfähiger zu machen. Sie fördern durch ihre Angebote die Familie und begegnen der Geschlechterpolitik. Die Maßnahmen von Institutionen sind, ebenso wie die Bewältigungsstrategien des Einzelnen, kulturell geprägt und dienen auch indirekt der Erhaltung des vorgegebenen Handlungsrahmens.

Als Beispiel sollen hier zwei Menschen dienen, die arbeitslos werden und somit eine Herausforderung in Sachen Lebensbewältigung erleben. Person A lebt in den USA, war selbstständig und ist insolvent gegangen. Person B lebt in Deutschland und ist nach 20 Jahren im gleichen Unternehmen entlassen worden. Der institutionelle Rahmen (siehe Kapitel 2.6) für den Fall einer Arbeitslosigkeit ist in den USA weitaus schwächer ausgebaut als im Sozialstaat Deutschland. Person A wird daher wahrscheinlich größere Anstrengungen als Person B machen, um ihre aktuelle Lage zu verändern. A wird vermutlich eher eigenverantwortlich handeln, während B auf ein ausgeprägtes Netzwerk von sozialen Hilfsinstitutionen (Arbeitsamt, Integrationsmaßnahmen, etc.) zurückgreifen kann.

2.8 Ethik

Böhnischs Theorie sieht Bewältigung als Handlungsdimension innerhalb der Sozialen Arbeit. Ziel ist, das psychische Selbst und das soziale Umfeld in Einklang zu bringen. Er gibt vier Zustände dieses Ungleichgewichts vor, die eine eigene Dimension von Werten und Normen darstellen: der Verlust des Selbstwertgefühls, Orientierungslosigkeit, fehlender Rückhalt und fehlende Anerkennung sowie eine daraus resultierende handlungsorientierte Suche nach Formen sozialer Integration.[9] Das Konzept der Lebensbewältigung stellt mit der sogenannten Lebenslage ein System dar, welches die sozialökonomisch bestimmten Lebensverhältnisse auf die individuelle Lebensgestaltung zurückführt. Diese Lebensgestaltung wird maßgeblich von dem Geschlecht, der Kultur und der Religion des Individuums geprägt.[10]

Als Beispiel soll die asiatische Kulturdimension des „Gesichtsverlustes“ aufgegriffen werden. Demnach wird jede Person in einer Gesellschaft an Ansehen verlieren, sobald sie für eine Handlung öffentlich kritisiert wird. Nach der Lebensbewältigung ist das mit dem Verlust des Selbstwerts gleichzusetzen. Die Voraussetzung ist immer, dass das betroffene Individuum diesen Gesichtsverlust und somit die Herabstufung seiner Rolle annimmt. Die Theorie definiert im Grunde keine neuen Werte und Normen, bringt jedoch bestimmte Werte in einen spezifischen Zusammenhang.

Literaturverzeichnis

  • Arnold, Helmut (2005): Sozialpädagogische Beschäftigungsförderung: Lebensbewältigung und Kompetenzentwicklung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter; Juventa-Verlag, Weinheim, München.
  • Böhnisch, Lothar/Juventa, Beltz (2012): Sozialpädagogik der Lebensalter: Eine Einführung; Weinheim, Basel.
  • Böhnisch, Lothar (2018): Lebensbewältigung: ein Konzept für die Soziale Arbeit. Weinheim.
  • Füssenhäuser, Cornelia (2018): Theoriekonstruktion und Positionen der Sozialen Arbeit. In: Otto, Hans-Uwe/ Thiersch, Hans (Hrsg.): Handbuch Soziale Arbeit. Reinbeck.
  • Thiersch, Hans /Böhnisch, Lothar /Juventa, Beltz (2014): Spiegelungen: Lebensweltorientierung und Lebensbewältigung; Gespräche zur Sozialpädagogik; Weinheim, Basel.
  • //www.wirtschaftslexikon.co/d/theorienmonismus-theorienpluralismus/theorienmonismus-theorienpluralismus.htm (zuletzt aufgerufen: 28.08.2020).
  • [1] Vgl.  //www.wirtschaftslexikon.co/d/theorienmonismus-theorienpluralismus/theorienmonismus-theorienpluralismus.htm (zuletzt aufgerufen: 28.08.2020).
  • [2] Vgl. Füssenhäuser, Cornelia (2018): Theoriekonstruktion und Positionen der Sozialen Arbeit. In: Otto, Hans-Uwe/ Thiersch, Hans (Hrsg.): Handbuch Soziale Arbeit. Reinbeck. S. 1734ff.
  • [3] Vgl. Thiersch, Hans /Böhnisch, Lothar / Juventa, Beltz (2014): Spiegelungen: Lebensweltorientierung und Lebensbewältigung; Gespräche zur Sozialpädagogik; Weinheim, Basel. S. 54ff.
  • [4] Vgl. Arnold, Helmut (2005): Sozialpädagogische Beschäftigungsförderung: Lebensbewältigung und Kompetenzentwicklung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter; Juventa-Verlag, Weinheim, München, S. 128ff.
  • [5] Vgl. Böhnisch, Lothar (2018): Lebensbewältigung: ein Konzept für die Soziale Arbeit. Weinheim, S. 220f.
  • [6] Vgl. Thiersch/Böhnisch/Beltz (2014): S. 65ff.
  • [7] Vgl. Böhnisch (2018): S. 223.
  • [8] Vgl. Arnold (2005): S. 134f.
  • [9] Vgl. Böhnisch (2018): S. 225.
  • [10] Vgl. Böhnisch, Lothar / Juventa, Beltz (2012): Sozialpädagogik der Lebensalter: eine Einführung; Weinheim, Basel, S. 31f.
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