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"Vergleichende Analyse von Schulleistungsstudien aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive und besonderer Berücksichtigung von Kindern mit Migrationserfahrungen"

  • Fachrichtung:Erziehungswissenschaft
  • Studienfach:Bildung und Migration
  • Thema:
    Vergleichende Analyse von Schulleistungsstudien aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive und besonderer Berücksichtigung von Kindern mit Migrationserfahrungen
  • Art der Arbeit:Masterarbeit
  • Seitenzahl:16
  • Einzigartigkeit:95.9%
Seminararbeit
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Gliederung

 

1.    Einleitung

2.    Der Zustand des Bildungssystems in Deutschland

2.1.     Der historische Überblick

2.2.     Allgemeinbildende Schule

2.3.     Berufliche Ausbildung

2.3.     Schulleistungsstudien – ein Weg zur Bestimmung der Leistungsfähigkeiten

2.3.1.      Die Ursachen der niedrigen Ergebnisse

Unzureichend hohe Professionalität der Lehrer – die Ursache für schlechte Ergebnisse

2.3.2.      Statistiken der letzten PISA-Ergebnisse

3.    Bildung und Migration

3.1.     Situation von Kindern aus zugewanderten Familien

 

 

1.      Einleitung
Bildung ist eine wichtige Ressource in einer modernen Informationsgesellschaft. Es gibt drei Dimensionen, in denen sich die Ziele von Bildung deutlich widerspiegeln:

1.         Individuelle Regulationsfähigkeit: Hierunter wird die Fähigkeit eines Individuums verstanden, das Verhalten und Verhältnis zur Umwelt, die eigene Biographie und das Leben in der Gesellschaft selbständig zu planen.

2.         Bildung von Humanressourcen: Es geht um die Sicherstellung und Weiterentwicklung der Qualität des Arbeitskräftevolumens und um die Vermittlung von Kompetenzen, die den Menschen Erwerbsarbeit ermöglicht, die ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht.

3.         Bildungseinrichtungen sollen die Gleichheit der Möglichkeiten fördern. Dadurch wird die soziale Integration und Aneignung von Kultur für alle ermöglicht. Bildung leistet dadurch einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur demokratischen Teilhabe.

Bildung ist ein entscheidender Faktor für individuelle Möglichkeiten, für die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft sowie für den sozialen Zusammenhalt. Es ist klar, dass Personen mit geringer oder keiner Bildung in vielen gesellschaftlichen Bereichen eingeschränkte Möglichkeiten haben.

Die Leistungsfähigkeit deutscher Schüler ist seit einigen Jahren Gegenstand der öffentlichen bildungspolitischen Debatte.  Der Grund für die Debatte ist, dass es einen Vergleich und Wettbewerb zwischen den Ländern auf nationaler Ebene gibt, einen Vergleich von Forschungsergebnissen, mit denen die Länder oft nicht zufrieden sind.

Einige sind der Meinung, dass eine anzustrebende Konsequenz dieses Benchmarking von Stärken und Schwächen der Bildungssysteme im nationalen und internationalen Rahmen eine Qualitätsverbesserung des Bildungswesens wäre. Die anderen glauben, dass es nicht möglich ist, etwas Ungleiches miteinander zu vergleichen.

Die Ergebnisse der ersten internationalen Studie wurden im Dezember 2001 in drei untersuchten Kompetenzbereichen: Lesekompetenz, mathematische Kompetenz, naturwissenschaftliche Kompetenz auf Durchschnittsniveau in nur zwei Bundesländern veröffentlicht.

Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der Schulleistungsstudie veröffentlichte die Konferenz sieben Handlungsschwerpunkte, die in den Bundesländern durch gezielte Maßnahmen zu Verbesserungen im Bildungssystem im Allgemeinen führen sollten:[1]

1.         Verbesserung der Sprachkompetenz im vorschulischen Bereich.

2.         Verbesserung der Beziehungen zwischen der Vorschule und Grundschule mit dem Ziel einer frühzeitigen Einschulung.

3.         Durchgängige Verbesserung der Grundschulbildung, der Lesekompetenz und des grundlegenden Verständnisses mathematischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.

4.         Verbesserung der Förderung bildungsbenachteiligter Jugendlichen, insbesondere mit Migrationshintergrund.

5.         Die Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität von Unterricht auf der Grundlage von verbindlichen Standards und ergebnisorientierter Evaluation.

6.         Verbesserung der Professionalität der Lehrtätigkeit, der methodischen Kompetenz der Lehrer.

7.         Ausbau von schulischen Ganztagsangeboten mit Ziel der Bildungs- und Fördermöglichkeiten.

Nach der Untersuchung der Ergebnisse und der Rezeption durch Medien, Politik und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen soll im weiteren Verlaufe der Arbeit beschrieben werden, inwieweit der von der Kultusministerkonferenz für alle Bundesländer formulierte Maßnahmenkatalog in einigen Bundesländern bereits umgesetzt worden ist und zu praktischen Konsequenzen im Bildungssystem geführt hat.[2]

Die internationalen Schulleistungsstudien – die einen Einblick in die Ursachen des schlechteren Abschneidens der Migranten im deutschen Schulsystem ermöglichen – zeigen: In Deutschland gestaltet sich die Integration der jungen Menschen mit Migrationshintergrund ins Schulsystem problematisch. Bereits in der Grundschule gibt es Unterschiede im Kompetenzniveau zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund. Sie spiegeln sich im Laufe des Sekundarstudiums deutlicher wider. Eine besondere Rolle bei der Erklärung der Unterschiede spielen der soziale Hintergrund der Schüler und das Ausmaß des Gebrauchs der deutschen Sprache in den Familien.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Wie unterscheiden sich Personen mit Migrationshintergrund hinsichtlich ihrer Bildungsabschlüsse von den Personen ohne Migrationshintergrund.[3] Es ist zu untersuchen, inwieweit die Personen mit Migrationshintergrund über die gleichen, durch Bildung beeinflussten Möglichkeiten im Gegensatz zu  den Personen ohne Migrationshintergrund verfügen.

Um zu versuchen, diese Frage zu beantworten, wird im Rahmen dieser Diplomarbeit analysiert, wie sich die ausländischen Schüler auf die einzelnen allgemeinbildenden Schularten verteilen. Es wird dargestellt, welche Schulabschlüsse die deutschen und ausländischen Schüler erzielen und über welche Schulabschlüsse die Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund verfügt.

Ziel dieser Arbeit ist es, die aktuelle Bildungssituation der Jugendlichen und Kinder mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland darzustellen und sie zu vergleichen. Auf die Ursachen möglicher Disparitäten wird im Rahmen der Darstellung der Ergebnisse der PISA- und IGLU-Studien sowie auf die Folgen nicht eingegangen.

Hinsichtlich der Folgen wird vielmehr davon ausgegangen, dass Unterschiede im Bildungsniveau verschiedene Teilhabechancen in vielen gesellschaftlichen Bereichen nach sich ziehen. Somit wird eine detaillierte Analyse der Ursachen und Folgen der Disparitäten im Bildungsbereich benötigt.

In jedem Wettbewerb gibt es Gewinner und Verlierer. Jedes Land wählt sich ihre Teilnahme an internationalen Studien, aber der Wert der Forschung ist unzweifelhaft, weil das Land eine Antwort auf die Hauptfrage erhält, wie der Schwachpunkt im Bildungssystem ist.

2.      Der Zustand des Bildungssystems in Deutschland
Die föderative Staatsstruktur bestimmt die Verantwortlichkeit für das Bildungswesen in Deutschland. Die Bundesländer haben das Recht der Gesetzgebung, welches im Bereich des Bildungswesens verschiedene Bildungsbereiche umfasst:

·         den Schulbereich

·         den Hochschulbereich

·         die Erwachsenenbildung

·         die Weiterbildung

Die Verwaltung auf diesen Gebieten ist Angelegenheit der Länder. Detaillierte Vorschriften sind in den Landesgesetzen zu vorschulischen Einrichtungen, zum Schulwesen und Hochschulwesen, zur Erwachsenenbildung und zur Weiterbildung festgelegt.

Der Umfang der Kompetenzen der Regierung im Bildungswesen ist im Grundgesetz geregelt. Die Bundesregierung ist für die Durchführung der Rechtsvorschriften auf allen Ebenen des Bildungsprozesses verantwortlich.

 

2.1.            Der historische Überblick
Die 1946 im Westen gebildeten Länder knüpften staatsrechtlich im Kaiserreich (1871–1918) und in der Weimarer Republik (1919–1933) an. Das Grundgesetz von 1949 bestimmt die Fortsetzung der föderalen Ordnung in den Bereichen Bildung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland im Jahre 1945 in amerikanische, britische, sowjetische und französische Besatzungszonen aufgeteilt. Da sich die drei westlichen Besatzungsmächte mit der Sowjetunion nicht auf die gemeinsame staatliche Ordnung für Deutschland verständigen konnten, wurde im Mai 1949 mit der Verabschiedung des Grundgesetzes die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat gegründet. Auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone wurde im Jahre1949 die DDR errichtet.

In beiden Teilen Deutschlands, zusammen mit der Transformation in den Bereichen der Wirtschaft, der Politik und Ideologie, wurde der Entwicklung der Bildung besondere Aufmerksamkeit geschenkt, die als eine der wichtigsten Faktoren bei der Wiederbelebung der Demokratie und der wirtschaftlichen Stabilität angesehen wurde.

In Ost-Deutschland herrschte eine strikte Politik der Entnazifizierung und die Umwandlung der Struktur, die Einführung der sowjetischen Erfahrung. Es geht um ein einziges sozialistisches Bildungsmodell. Die Regierung kontrollierte die ideologische Erziehung durch Jugendorganisationen und durch die Lehre der Geschichte, die auf der marxistisch-leninistischen Lehre beruhte. Mit der Gründung der DDR wurde das Ministerium für öffentliche Bildung geschaffen.

Unter Demokratisierung der Bildung wurde die sowjetische Militäradministration als die Beseitigung der dreistufigen Schule verstanden, die früher für die Kinder der Arbeiter und Bauern beschränkt war. Die einzige zehnjährige Schule wurde eingeführt, die allen zur Verfügung stand. In der DDR war es ein nationales Bildungssystem. Die Implikation war, dass es für alle Bürger zur Verfügung stehen sollte, unabhängig von der sozialen Herkunft, dem Beruf und dem wirtschaftlichen Status. Es gab keine Privatschulen in der DDR.

Die Entwicklung der Bildung in der Bundesrepublik Deutschland geschah anders. Es wurde auf den demokratischen Prinzipien aufgebaut. In den ersten Nachkriegsjahren versuchten die westlichen Besatzungskräfte, im Rahmen der gesellschaftlichen Transformation ihre eigenen Vorstellungen über das Bildungssystem zu realisieren. Aber trotz der Versuche, das Schulsystem zu reformieren, haben die Besatzungsbehörden die deutsche Tradition nicht geschaffen und verließen das alte Bildungssystem.

Der Prozess der Entmilitarisierung in der Bundesrepublik Deutschland führte zur Wiederherstellung des Bildungssystems der Weimarer Republik und in Ost-Deutschland – des sozialistischen Modells der Bildung.

Nach dem Einigungsvertrag von 1990 zwischen der BRD und der DDR hatten die ostdeutschen Länder das Bildungswesen bis zum Jahre 1991 gesetzlich neu zu regeln. Auf der Grundlage des Ländereinführungsgesetzes vom Juli 1990 richteten die ostdeutschen Länder Wissenschaftsministerien ein, die später der Kulturministerkonferenz beitraten, um im Rahmen der Selbstkoordinierung der Länder eine gemeinsame Struktur im Bildungswesen herzustellen.

Eine zentrale Aufgabe nach der Vereinigung der beiden Staaten war die Neugestaltung der Bildung auf der Basis der Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz und die Reform des Schulwesens in den ostdeutschen Ländern. Nach der Verabschiedung der Schulgesetze wurde mit Beginn des Schuljahres 1992–1993 das gegliederte Schulwesen in den fünf ostdeutschen Ländern eingeführt. Für den Bereich der beruflichen Bildung erfolgte die

Einführung des Ordnungsrahmens der Bundesrepublik für die Berufsbildung – Berufsbildungsgesetz. Damit wurde die Basis für den Reformprozess in der beruflichen Bildung geschaffen.

 

2.2.            Allgemeinbildende Schule
Es gibt genau genommen kein deutsches Bildungssystem, weil für die Bildungspolitik in Deutschland die Bundesländer verantwortlich sind. Sie haben die Kulturhoheit, sodass die Landesregierungen selbstständig entscheiden können, wie sie die Bildungssysteme ausgestalten. Dies gilt nicht nur für die Gestaltung des allgemeinbildenden Schulwesens, sondern auch in den anderen Bildungsbereichen gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Die Schulpflicht beginnt in jenem Jahr, in welchem das sechste Lebensjahr vollendet wird. Ab diesem Alter sind die Kinder zum Schulbesuch verpflichtet. Im Ausnahmefall können die Kinder für ein Jahr von der Einschulung zurückgestellt und im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung für nicht „schulfähig“ befunden werden.

Die Schulpflicht erstreckt sich bis zum 18. Lebensjahr und besteht aus zwei Teilen:

1.      Die Vollzeitschulpflicht umfasst neun, in manchen Bundesländern zehn Besuchsjahre an einer allgemeinbildenden Schule.

2.      Anschließend gilt für die Jugendlichen, die im Sekundarbereich II keine allgemeinbildende oder berufliche Schule besuchen, die sogenannte Berufsschulpflicht. Sie endet in der Regel mit dem Abschluss einer Berufsausbildung.

Das Bildungssystem besteht aus fünf großen Bereichen:

1)      Der Elementarbereich – umfasst Einrichtungen für Kinder bis zum Schuleintritt mit in der Regel sechs Jahren;

2)      Der Primarbereich – Die Kinder, die sechs Jahre alt sind, gelten als schulpflichtig. Sie treten in die für alle Schüler gemeinsame Grundschule ein, die von der Jahrgangsstufe 1 bis 4 reicht. In Berlin und Brandenburg umfasst die Grundschule sechs Jahrgangsstufen. Am Ende der Grundschulzeit wird eine Schullaufbahnempfehlung für die Sekundarstufe auf Basis von Schulnoten  ausgesprochen. Die Schüler müssen bei Anwahl einer nicht empfohlenen Schulform eine Aufnahmeprüfung absolvieren oder eine Probezeit an der gewählten Schule bestehen.

3)      Der Sekundarbereich I – Dieser (Jahrgangsstufen 5–7 bis 12–13) ist dadurch gekennzeichnet, dass nach der Grundschule die weiteren Bildungsgänge in verschiedenen Schularten organisiert werden:

• Realschule

• Gymnasium

• Schularten mit mehreren Bildungsgängen

Die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium sind Schularten mit einem Bildungsgang, an denen der Unterricht auf einen bestimmten Abschluss bezogen ist. Schularten mit mehreren Bildungsgängen vereinen zwei oder drei Bildungsgänge in einem Bildungsgang.

Im Sekundarbereich I fächert sich das Bildungssystem in verschiedene Schulformen auf, an denen nach unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet wird. Schularten mit zwei Bildungsgängen führen den Haupt-  und den Realschulbildungsgang, an Schularten mit drei Bildungsgängen gibt es noch einen Gymnasialbildungsgang.

An den Gesamtschulen besuchen die Schüler keinen bestimmten Bildungsgang. Sie können in den einzelnen Fächern zwischen unterschiedlich anspruchsvollen Kursen wählen. Am Ende der Sekundarstufe I kann in allen Bildungsgängen ein allgemeinbildender Schulabschluss erworben werden. Dieser bescheinigt die in der Schule erworbenen Fähigkeiten in einem Zertifikat und berechtigt  zum Besuch weiterführender Bildungseinrichtungen im Sekundarbereich II.

4)   Der Sekundarbereich II – Dieser Bereich umfasst allgemeinbildende Vollzeitschulen und die Berufsausbildung im dualen System. Die Jugendlichen müssen eine Lehrstelle in einem Betrieb finden. Gelingt dies nicht, so müssen die Jugendlichen, zumal sie noch schulpflichtig sind, eine berufsvorbereitende Maßnahme im Übergangssystem absolvieren. Das gilt für einen großen Anteil der Schulabgänger der Hauptschule. Die anderen Bildungsgänge führen zur allgemeinen oder fachgebundenen Hochschulreife und berechtigen zur Aufnahme eines Studiums im Tertiärbereich. Allerdings nimmt auch ein Anteil der Jugendlichen, die eine Hochschulzugangsberechtigung erlangt haben, eine duale oder vollzeitschulische Berufsausbildung auf.

Der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schulart, die bis zum Ende der vollen Schulpflicht besucht werden muss, ist je nach Landesrecht unterschiedlich geregelt. Grundlage für die Entscheidung des weiteren Bildungsgangs ist das Votum der abgebenden Schule, welches mit eingehender Beratung der Eltern verbunden ist. Die Entscheidung wird von den Eltern, der Schule oder der Schulaufsicht getroffen. Sie ist bei verschiedenen Schularten von der Erfüllung bestimmter Leistungskriterien der Schüler oder von der Kapazität der gewünschten Schule abhängig.

5)      Der Bereich der Weiterbildung.

Die Ausbildung nach der Schule umfasst mehrere Bereiche, welche Absolventen in Übereinstimmung mit dem Niveau der Schulkenntnisse wählen. Der Tertiärbereich umfasst Universitäten, Fachhochschulen und andere Hochschularten, die zu einem akademischen Abschluss führen. Ihr Abschluss qualifiziert zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und berechtigt zur Promotion. Der Tertiärbereich umfasst Einrichtungen, die berufsqualifizierende Studiengänge anbieten sowie Einrichtungen der beruflichen Bildung.

2.3.            Berufliche Ausbildung
Das Berufsbildungssystem basiert auf gesellschaftlichen Entscheidungen:

•       Es gibt den Beschluss der Regierung, allen Schulabgängern eine berufliche Ausbildung zu bieten.

•       Um dieses Ziel zu erreichen, wurde das strategische Konzept mit den Unternehmern vereinbart, ein duales Ausbildungssystem zu implementieren.

•       In diesem Kooperationsmodell sind der öffentliche Sektor und der private Sektor die gleichberechtigten Partner.

•       Dieses kooperative System wird durch ein grundlegendes Berufsbildungsgesetz rechtlich unterstützt.

Die meisten Jugendlichen erhalten nach Ablauf der Vollzeitschulpflicht eine Berufsausbildung in Deutschland. Da diese Ausbildung an zwei Orten stattfinde, in der Berufsschule und im Betrieb, spricht wird vom “dualen System” gesprochen. Ziel der dreijährigen Ausbildung ist es, dass die Schüler eine allgemeine und berufliche Grundbildung erhalten und die Kompetenzen einer qualifizierten Fachkraft erwerben.

Das deutsche Berufsschulsystem ist differenziert und gliedert sich in eine Vielzahl von Fachrichtungen. Es ist so gestaltet, dass den Absolventen der Fachschulen auch Wege zur Fachhochschulreife und Hochschule offen stehen. Die Fachrichtungen der Berufsschulen sind gewerblich, kaufmännisch, hauswirtschaftlich oder landwirtschaftlich. Die Jugendlichen lernen drei bis vier Tage im Betrieb und zwei Tage in der Berufsschule. Die Kosten für die Ausbildung tragen die Betriebe, die zu bundesweit einheitlichen Ausbildungsordnungen verpflichtet sind. Ausbildungsplätze bieten Betriebe der Wirtschaft, des öffentlichen Dienstes, private Haushalte an und andere.

Die Berufsausbildung, die Studenten wählen unter einer Vielzahl von Berufen, wird in den Sekundarstufen i und II organisiert. Die Gestaltung der Bildungsgänge der Sekundarstufe I geht vom Grundsatz der Grundbildung und einer individuellen Schwerpunktsetzung aus. Die Bildungsgänge des Sekundarbereichs I haben einen allgemeinbildenden Charakter, während im Sekundarbereich II neben dem Bildungsgang des Gymnasiums die beruflichen Bildungsgänge stehen.

Der Sekundarbereich I umfasst die Altersgruppe der Schüler von zehn bis 16 Jahren, die Sekundarstufe II  die Altersgruppe von 15 bis 19 Jahren. Der Wechsel auf die verschiedenen Schulen des Sekundarbereichs II erfolgt aufgrund der Schulleistungen der Schüler. Die erste Einführung in die Arbeitswelt erfolgt in der Sekundarstufe I im Rahmen eines eigenständigen Faches, oder über die entsprechenden Lernmaterialien – integriert in den anderen Fächern. Eine Praxis in den letzten Stufen der Bildung ermöglicht die ersten konkreten Erfahrungen im Berufsleben.

Die Charakterzüge des deutschen Bildungssystems haben viele interessante Regeln. In vielen Ländern lernen die Kinder mehr als zehn Jahre und denken nicht einmal über die Wahl des künftigen Berufs nach. Aber das Schulsystem in Deutschland ist so aufgebaut, dass nach ein paar Klassen die Schulkinder zusammen mit ihren Eltern künftige Ausbildung planen und einen Beruf wählen können.

 

2.3.                          Schulleistungsstudien – ein Weg zur Bestimmung der Leistungsfähigkeiten
Um die Leistungsfähigkeit der deutschen Bildung im internationalen Vergleich festzustellen, nimmt Deutschland an internationalen Bildungsvergleichsstudien teil. Die Bundesländer wirken im Rahmen des Grundgesetzes, der Feststellung der Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungswesens im internationalen Vergleich, zusammen. Die Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien sind ein wichtiger Bestandteil der  Bildungsberichterstattung.

Der Zweck des Programms ist die Fähigkeit von 15-jährigen Schülern, die Verwendung der erworbenen Schulkenntnisse und Erfahrungen mit Lebensproblemen in verschiedenen Bereichen der menschlichen Tätigkeit zu bewerten und sich mit Kommunikation und sozialen Beziehungen zu befassen. Das Programm wertet das Lesen und Schreiben sowie die mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung.

Eine wichtige Forschungsfrage der Schulleistungsstudien, ob die 15-jährigen Schüler das benötige Wissen und Fähigkeiten haben, die sie für die normale Funktion in der modernen Gesellschaft erhalten haben, das heißt, eine breite Palette von Aufgaben in verschiedenen Bereichen der menschlichen Tätigkeit, Kommunikation und sozialen Beziehungen zu lösen. Die Auswahl dieses Alters kann durch die Tatsache erklärt werden, dass in vielen verschiedenen Ländern die Ausbildungsprogramme in diesem Alter viel Gemeinsames haben.

Die Studie verwendet die Schriftform und Computersteuerung (Tests). Einige Aufgaben bestehen aus mehreren Fragen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die sich auf die gleiche Situation beziehen. Das Programm wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen.

Die Studie ermöglicht es, die Veränderungen in den Bildungssystemen in den verschiedenen Ländern zu beurteilen sowie die Wirksamkeit von politischen Entscheidungen im Bereich der Bildung zu identifizieren und zu vergleichen.

Der Test findet einmal alle drei Jahre statt. Es wurde im Jahr 1997 entwickelt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung organisiert Tests in Zusammenarbeit mit führenden internationalen Forschungseinrichtungen, mit der Teilnahme von nationalen Zentren:

·           Australien Council überwacht das Bildungsforschungskonsortium;

·           Dutch National Institute for Education Messen;

·           US-pädagogischer Testservice;

·           Das Nationale Institut für Bildungsforschung in Japan;

·           US Westat;

·           andere maßgebliche Organisationen in der Welt der Bildung.

Die Forschung wird einmal in drei Jahren durchgeführt. Die Zahl der Länder wird von Jahr zu Jahr erheblich erhöht. Die Monitoring-Ergebnisse in verschiedenen Bereichen der Bildung sind unterschiedlich, aber die traditionell guten Ergebnisse zeigen asiatische Länder: Hong Kong, China, Südkorea, Israel, Singapur und Japan, unter den europäischen Ländern befinden sich Finnland sowie die Niederlande. Die Ergebnisse der Schulleistungsstudien werden in internationalen Publikationen in 40 Ländern ein Jahr nach dem Test veröffentlicht.

 

2.3.1.      Die Ursachen der niedrigen Ergebnisse
In den letzten zwanzig Jahren ist eine der wichtigsten Entwicklungstrends der Bildung in der modernen Welt, ihre Qualität zu verbessern. Daher hat in den 80iger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts das Problem der Bildungsinhalte und die Einrichtung von nationalen Bildungsstandards besondere Dringlichkeit erworben, welche dasselbe für alle Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen enthält.

In verschiedenen Ländern führen sie unterschiedliche Rollen,  je nach Bildung des Begriffs der Entwicklung des Landes. Mit einem Gesamtziel der Bildungsstandards haben sie viele Eigenschaften, die ihre Besonderheiten beeinflussen und spiegeln die Ausrichtung der Bildungspolitik eines Landes wider.[4]

Die Ergebnisse der internationalen Studien TIMSS und PISA haben

eine wichtige Rolle gespielt, um den Prozess der Standardisierung der Allgemeinbildung zu beschleunigen. Unter dem Einfluss der Ergebnisse der Forschung haben sich in Deutschland sowohl der Prozess der Suche der unbefriedigenden Ergebnisse wie auch die Wege aus dieser Situation verstärkt.

Die ersten PISA-Tests wurden vor 15 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse stürzten Deutschland in einen Schockzustand: Das Niveau der Kenntnisse der jungen Deutschen war niedrig. Seitdem strebt Deutschland danach, allmählich die Ergebnisse zu verbessern, kommt allerdings trotz dessen nicht in die Top der ersten zehn Führungskräfte. Im letzten Test nahm Deutschland den 16. Platz in den internationalen Schulleistungsstudien ein. Deutsche Jugendliche haben Kenntnisse über den Durchschnitt, aber erreichen nicht die ersten Plätze in der Rangliste der entwickelten Länder.

Wissenschaftler und Mitarbeiter der Kultusministerkonferenz sind der Meinung, dass einer der Gründe für die niedrigen Ergebnisse der deutschen Schüler in den Schulleistungs-studien ist, dass ein hoher Prozentsatz der Studenten Schulkinder aus Familien mit Migrationshintergrund bilden.

Tatsächlich ist es, um ein umfassendes und bundesweit repräsentatives Bild der Bildung in Deutschland zu erhalten, notwendig, die Lernergebnisse von Schülern aus Migrantenfamilien zu erwähnen. Zu nennen sind hier vor allem die amtliche Bildungsstatistik, die Schulleistungsstudien wie IGLU und PISA sowie das allgemeine Bildungsniveau der Bevölkerung.

Mehr als die Hälfte aller jungen Menschen mit Migrationshintergrund verfügen über die deutsche Staatsangehörigkeit und allein durch die Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts wird dieser Anteil in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen.

Fakten von Statistiken über die Lernergebnisse von Kindern aus Migrantenfamilien: ausländische Schüler gehen häufiger auf Hauptschulen und auf Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Dabei zeigen sich zwischen den einzelnen Nationalitäten deutliche Unterschiede im Lernen: Polnische, russische und kroatische Schüler können sich im deutschen Bildungssystem vergleichsweise gut positionieren, Schüler aus der Türkei, Italien, Serbien und Montenegro dagegen eher schlecht. Deren schlechte Ergebnisse sind darauf zurückzuführen, dass viele von ihnen aus Flüchtlingsfamilien stammen und häufig im Alter der Schüler der Sekundarstufe I oder II ins deutsche Bildungssystem gekommen sind.[5]

Die ausländischen Schüler haben die Möglichkeit, ihre Stellung im deutschen Schulsystem durch den Besuch der unterschiedlichen Schulformen der Sekundarstufe zu verbessern. Die Schüler aus Bosnien und Herzegowina verbesserten besonders deutlich die Leistungen, verschlechtert hat sich die Stellung der polnischen und der russischen Schüler.

Im Laufe der Jahre hat die Bundesregierung eine große Aufmerksamkeit der Lösung dieses Problems geschenkt. Trotzdem haben sich die Unterschiede zwischen den deutschen und den ausländischen Schülern nicht verringert. Eine Annäherung fand im Fall des Realschulbesuchs, hinsichtlich des Besuchs einer Hauptschule oder eines Gymnasiums, statt.

Die internationalen Schulleistungsstudien zeigen: In Deutschland gestaltet sich die Integration der jungen Menschen mit Migrationshintergrund ins Schulsystem sehr problematisch. Bereits in der Grundschule bestehen Unterschiede im Kompetenzniveau zwischen den Eingebürgerten und den Schülern mit Migrationshintergrund.

Die Unterschiede nehmen im Laufe des Sekundarbereichs deutlicher zu. Wie sind die Unterschiede zu erklären? Hier spielt der soziale Hintergrund der Schüler und der unzureichende Gebrauch der deutschen Sprache in den Familien eine besondere Rolle.

Für Deutschland wurde bisher anhand des Pisa-Berichts festgestellt, dass es in dem Land immer noch eine Verbindung zwischen sozialer Herkunft und Bildung gibt. Dennoch wird die Kluft zwischen Schülern aus wohlhabenden, gut ausgebildeten deutschen Familien und weniger gebildeten Familien mit Migrationshinter in den letzten zehn Jahren allmählich verringert.

 

Unzureichend hohe Professionalität der Lehrer – die Ursache für schlechte Ergebnisse
In Deutschland verursachen die Gesamtergebnisse von TIMSS und PISA eine Schockreaktion der Gesellschaft (PISA-Schock). Als Ergebnis wurden die nationalen Bildungsstandards im Jahr 2004 angenommen. Die Ergebnisse von PISA und nationalen Erhebungen empörten die Öffentlichkeit. Unter ihrem Einfluss gab es einen Prozess der Modernisierung der Lehrerausbildung, die das Studium der führenden Schule der akademischen Disziplinen stärken sollte.

Die Ergebnisse von internationalen Schulleistungsstudien  haben das öffentliche Bewusstsein in Bezug auf die Leistungen der Schullehrer stark geprägt und dazu aufgefordert, die Arbeit der Lehrerschaft vermehrt in den Blick zu nehmen.

Die Heterogenität des sozioökonomischen Status der Studierenden ist eine Schwierigkeit für Lehrer. Die Lehrpersonen,  welche Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status lehren sollten haben ernsthafte Schwierigkeiten. In der Tat haben viele Lehrer nicht genug Professionalität und Erfahrung, damit sie den Schülern Wissen auf hohem Niveau geben können.

Als einer der Gründe für die schlechte Leistung der Schüler wurde die Schulautonomie, die den Lehrern bei der Entwicklung von Lerninhalten übermäßige Freiheit gewährt, angegeben. Die deutschen Lehrer sind der Meinung, dass die Freiheit der Lehreraktivitäten zur Entwicklung von Kreativität und Innovation in dem Lernprozess beitragen, wenn der Inhalt der Ausbildung auf die Bedürfnisse der Vielfalt der Schüler angepasst wird. In Deutschland bieten Lehrer und Schulen eine ausreichend große Freiheit bei der Entwicklung von Lerninhalten.

Die Diskrepanz zwischen der Schulautonomie und die Ergebnisse ihrer Bildungsaktivitäten zeigten, dass die Unabhängigkeit der Institution bei der Gestaltung des Inhalts der Bildung nicht erforderlich ist. In einem dezentralisierten System der Bildung wird dies als eine potenzielle Bedrohung wahrgenommen, welches die Qualität der Bildung zu erhöhen und den Kindern gleiche Bildungschancen zu geben verhindert.

Folgende Gründe haben zur Entwicklung von tiefen Widersprüchen zwischen den Herausforderungen der modernen Schule und dem Grad ihres Einflusses auf die Entstehung der Informationsgesellschaft, welche mit der Entwicklung der Wirtschaft konfrontiert sind, geführt:[6]

1.      Niedrige Qualität der Bildung (Ergebnis der Forschung).

2.      Mangel an klaren und expliziten Anforderungen an den Inhalt und die Ergebnisse der Bildung.

3.      Niedrige Erwartungen der Gesellschaft und der Schule zu den meisten Studenten.

4.      Der Unterschied in der Ebene der Bildung der einheimischen deutschen Familien und der Familien mit Migrationshintergrund.

 

2.3.2.       Statistiken der letzten PISA-Ergebnisse
Das deutsche Bildungssystem versagt während des ersten Weltvergleichstests «Pisa 2015». Die Ergebnisse der 15-jährigen Schüler in den Naturwissenschaften und der Mathematik waren schlechter als die drei und sechs Jahre früher, aber sie sind im oberen Drittel der internationalen Rankings geblieben. In der Gesamtwertung übernahmen die deutschen Studenten Platz 16 von 72.

Im Jahr 2015 erhielt Deutschland auf Naturwissenschaften 509 Punkte (2012: 524), Mathematik 506 (514), Lesen / Verstehen 509 (508). Insgesamt wurde der Test «Pisa 2015» begleitet von einem halben Million Jungen und Mädchen aus 70 Ländern und wichtigen Regionen. Zum ersten Mal hat eine Problemlösungsgruppe als sozialen Indikator die Kompetenz aufgenommen.

PISA Sieger mit großem Vorsprung wurde wieder Singapur in den Naturwissenschaften, ein kleines Land in Südostasien erzielte 556 Punkte, vor Japan (538) und Estland (534) – dem besten europäischen Land. In Mathematik erzielte Singapur erzielte 564 Punkte, vor China und Hongkong (548) und Macau (544), 535 Punkte im Lesen, vor Kanada und Hong Kong (bis 527) und dem langfristigen Europameister in der PISA-Prüfung – Finnland (526).

In Deutschland sind trotz der erzielten Fortschritte weitere Anstrengungen erforderlich, um den Anteil der Studierenden mit geringen schulischen Leistungen zu reduzieren. Zu diesem Schluss kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einer speziellen Analyse der PISA-Studie. Nach wie vor ist der soziale Hintergrund der jungen Menschen im Land ein wichtiger Risikofaktor in schlechten Schulleistungen.

Etwa 140.000 15-jährige Schüler in Deutschland haben in der Studie der Mathematik das beste Kompetenzniveau 1 erreicht. Kompetenzstufe 1 umfasst die einfachsten Aufgaben. Fast 70.000 Tests waren in allen drei Bereichen der Vergleichs-PISA schwach: Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Verstehen des Textes.

3.      Bildung und Migration
Das Verhältnis von Migration und Bildung ist für die BRD bedeutsam. Es jetzt erneut aufzugreifen, ist in den Wanderungsbewegungen des letzten Jahrzehnts begründet und findet aktuell durch die starke Zuwanderung von Schutz- und Asylsuchenden eine zusätzliche Brisanz. Im Jahre 2015 wurden mehr als 1 Million Menschen als asylsuchend registriert.[7]

Deutschland ist ein Einwanderungsland, wie die Zahlen zur Zuwanderung seit Beginn der Republik belegen. Die Förderung von Integration ist seit 2004 als staatliche Aufgabe verankert.

Die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts haben die politischen Grundlagen für die Integration von Zuwandernden verbessert, sind aber nicht schon selbst als Integration zu werten. Sie bleibt die Daueraufgabe der Politik in allen wichtigen Feldern – so auch besonders im Bildungswesen.

Ein Fünftel der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, sei es durch eigene oder durch Zuwanderung der Eltern. Dabei variiert die Zuwanderungspopulation stark nach dem Alter, was in bildungspolitischen Zusammenhängen von hoher Bedeutung ist. Bezogen auf die bildungsrelevanten Altersgruppen liegt der Anteil der unter 10-Jährigen mit 35 % und der 10- bis unter 20-Jährigen , wobei die entsprechenden Migrantenanteile in den westdeutschen Bundesländern, in den Ballungszentren und in den Großstädten, noch höher sind.[8]

Die Initiative für ein Programm zur Ausbildung der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in deutschen Schulen verdankt dies vor allem den Resultaten der PISA-Studie, die einen deutlichen Leistungsrückstand der Schüler im Leseverständnis in deutscher Sprache ergeben haben und in denen sich ferner zeigte, dass mangelndes Leseverständnis für ihre schwachen Leistungen in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereichen hauptverantwortlich ist.

Diese Befunde stimmen mit Resultaten von Untersuchungen in der Bildungsforschung überein, in denen sich wiederkehrend zeigt, dass Kinder aus zugewanderten Familien im deutschen Bildungssystem weniger erfolgreich sind als in anderen Systemen mit vergleichbaren Problemstellungen.

 

3.1.            Situation von Kindern aus zugewanderten Familien
Auch die in der Schulstatistik gebräuchliche Bestimmung des Migrationsstatus über die Staatsangehörigkeit belegt seit Jahrzehnten, dass die Kinder mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit nach einem halben Jahrhundert anhaltender Zuwanderung im deutschen Bildungssystem schlecht abschneiden: Sie verharren überrepräsentativ im niederen Schulwesen. Sie verfehlen häufiger den Hauptschulabschluss, sie bleiben überdurchschnittlich oft ohne jede Berufsausbildung.

Da Kinder mit Migrationshintergrund eine verzögerte Sprachentwicklung im Deutschen aufweisen, ist hier kein eigenständiger Zusammenhang zu beobachten, allerdings kommen sie aufgrund ihrer spezifischen Ausgangslagen trotzdem häufiger erst später in die Schule.

Die Zusammenhänge mit der Migrationsgeneration sind bei den Wortschatzkompetenzen zu beobachten, während die Familiensprache mit den sprachlichen Kompetenzen zusammenhängt, wodurch indirekte Zusammenhänge mit dem Einschulungszeitpunkt zu beobachten sind. Bei den Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund ist ein Großteil der Unterschiede auf die Bildung der Eltern zurückzuführen.[9]

Eine Datengrundlage für die Beschreibung der faktischen Entwicklung der Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund setzte ein besonderes Vorgehen bei der Bildungsberichterstattung voraus, als dies in Deutschland bisher üblich ist. Notwendig wäre es, nicht allein auf Staatsangehörigkeit beruhende, sondern andere Merkmale des Migrationsstatus – vor allem die Sprachpraxis der Gewanderten und die Dauer ihres Lebens in Deutschland – zu berücksichtigen, wie dies in anderen Zuwanderungsstaaten praktiziert wird.

Im Jahre 2012 erzielen Jugendliche mit Migrationshintergrund in allen Bildungsgängen niedrigere Kompetenzwerte als jene ohne Migrationshintergrund, und dies in allen untersuchten Fächern: Mathematik, Biologie, Chemie und Physik. Dies gilt auch für die PISA-Lesekompetenzen 15-Jähriger. Der Vergleich der Lesekompetenzen von 2000 zu 2012 zeigt Kompetenzzuwächse bei den Schülern mit Migrationshintergrund, aber dies bei Jugendlichen aus Familien mit niedrigem und mittlerem sozioökonomischem Status. Hinsichtlich der Mathematikkompetenzen ist bei Studien unter den Jugendlichen der zweiten Generation von 2003 zu 2012 ein Anstieg zu beobachten, aber nicht für die erste Generation.[10]

Diese Feststellung verträgt sich nicht damit, dass ein Vierteljahrhundert später die  Schüler mit Migrationshintergrund in deutschen Schulen  geringere Bildungserfolge erreichen als die Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund. Wird  lediglich die Gruppe der zugewanderten Jugendlichen betrachtet, so ist unübersehbar, dass eine Besserung ihrer Bildungserfolge über die Jahrzehnte erreicht wurde.

Zu Beginn der Zuwanderung gehörten sie meistens zu den Erfolglosen. Der überwiegende Teil von ihnen blieb ohne Bildungsabschluss. Einen Eindruck von der Veränderung der Lage vermitteln Daten aus den 1970er-Jahren:

·         Im Schuljahr 1977/78 besuchten nur drei von vier schulpflichtigen ausländischen Kindern eine allgemeinbildende Schule.

·         Jeder zweite Schulpflichtige besuchte eine berufsbildende Schule.

·         Ein Drittel der schulpflichtigen Ausländer erreichte einen Schulabschluss.

·         Ein Sechstel der ausländischen Jugendlichen bekam eine Berufsausbildung.

 

[1] Hattie, John: Lernen sichtbar machen. JJJJ, S 37–38.
[2] Auernheimer, Georg (Hrsg.): Schieflagen im Bildungssystem: Die Benachteiligung der Migrantenkinder. JJJJ, S. 23–33.
[3] Diefenbach, Heike: Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem. JJJJ, . S. 83–85.
[4] Dammer, Karl-Heinz: Vermessene Bildungsforschung: Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe zu einem neoliberalen Herrschaftsinstrument (Pädagogik und Politik), Taschenbuch – 2015. S.
[5] Auernheimer, Georg (Hrsg.): Schieflagen im Bildungssystem: die Benachteiligung der Migrantenkinder. JJJJ, S. 4–6.

[6] Fürstenau, Sara; Gomolla, Mechtild: Migration und schulischer Wandel: Leistungsbeurteilung. 2009, S.

IGLU Ergebnisse aktuell.

1.          TIMSS Ergebnisse aktuell.

[7] Dammer, Karl-Heinz: Vermessene Bildungsforschung: Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe zu einem neoliberalen Herrschaftsinstrument (Pädagogik und Politik), Taschenbuch – 2015, S.

[8] Dammer, Karl-Heinz: Vermessene Bildungsforschung: Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe zu einem neoliberalen Herrschaftsinstrument (Pädagogik und Politik), Taschenbuch – 2015, S.

[9] Diefenbach, Heike: Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem. JJJJ, S.
[10] Fürstenau, Sara; Gomolla, Mechtild: Migration und schulischer Wandel: Leistungsbeurteilung. 2009, S.

1.         PISA Ergebnisse aktuell.

2.         IGLU Ergebnisse aktuell.

3.         TIMSS Ergebnisse aktuell.

 

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